Geschichten von unterwegs
Jede Doppelseite hatte einen Titel, eine GPS-Koordinate und einen kurzen Text. Keine Bildunterschriften. Beobachtungen. Das, was man nach einem langen Tag am Set erzählt, wenn das Licht weg ist, die Kameras verpackt sind und jemand fragt, wie es gelaufen ist.
Das Magenta im Clariant-Werk in Frankfurt, das ein ganzes Fototeam hätte einfärben können, Socken inklusive. Die Nachtschicht auf der Piste 14/32 am Flughafen Zürich, wo hundert Maschinen den Belag erneuern und vor dem ersten Flug um 7 Uhr wieder weg sein mussten. Das Pumpwerk in Zmutt, zu Fuss erreicht durch hochalpines Gelände bei Minustemperaturen, die Ausrüstung auf dem Rücken, und oben reichte der Blick bis zum Matterhorn.
Und Südkorea. Wir sassen auf einem Plastikhocker am Hafen und suchten das Meer nach einem Schiff ab, das wir fotografieren sollten. Das Schiff kam nicht. Wir fanden es im Hafen, fotografierten es dort und holten es in der Postproduktion aufs Meer hinaus. Den Hocker liessen wir stehen. Für die Kollegen.
Was ON LOCATION war
Konzipiert wurde das Magazin von Keller Maurer Design. Es ging an Agenturen, Kunden und Kontakte: ein greifbares Objekt in einer zunehmend digitalen Welt. Etwas, das man in die Hand nehmen, durchblättern und auf den Schreibtisch legen konnte.
Die Resonanz war gross, und sie ist es bis heute. Das gedruckte Magazin ist zehn Jahre alt und wird immer noch gern gelesen. Ein paar Exemplare haben wir noch.
Vom Heft zum Journal
Zehn Jahre später lebt der Geist von ON LOCATION in dem weiter, was Sie gerade lesen.
Die Orte haben sich verändert. Eine Kompressorengiesserei in China. Der Ceneri-Basistunnel, tief in den Tessiner Bergen. Ein Porträtstudio, von Grund auf eingerichtet in einem verglasten Konferenzraum in Hamburg, mit Models, Styling, Hair & Make-up und der Garderobe auf einer Kleiderstange in der Ecke. Wenige Tage zuvor waren wir noch in einer Ex-Zone in Bremen gewesen. Das sind nicht dieselben Aufträge. Aber sie kommen aus derselben Neugier und verlangen denselben Einsatz, es richtig zu machen.
In mehr als zwanzig Jahren ist die Arbeit in Richtungen gewachsen, die wir nicht immer vorhersehen konnten. Mit Industriefotografie haben wir uns einen Namen gemacht, und sie steht weiterhin im Zentrum unserer Arbeit. Genauso aber das Porträtshooting, das eine ganze Crew braucht. Der Geschäftsbericht, fotografiert in drei Städten. Die CGI-Integration, die einen physischen Aufbau überflüssig macht. Das freie Projekt, das uns an Orte führt, an die uns kein Briefing geschickt hätte. Die Postproduktion, die alles zusammenbringt.
Was sich nicht verändert hat: Das fertige Bild zeigt selten, was es tatsächlich gebraucht hat, ob der Ort eine gesperrte Pipeline-Zone ist oder ein sorgfältig ausgeleuchtetes Studio. Die Entscheidungen, die Logistik, die Momente vor dem ersten Bild.
Was bleibt
Auf der letzten Seite von ON LOCATION stand ein Satz, der noch immer gilt: Wo es den meisten zu laut, zu unbequem oder zu weit weg ist, dort finden Sie uns.
Ergänzen sollten wir allerdings: Wir sind genauso zu Hause, wo es sauber, hell und vollkommen sicher ist. Es ging nie um den Ort. Es ging um die Neugier.
Das Magazin ON LOCATION können Sie hier ansehen.
Die Neugier, die ON LOCATION angetrieben hat, treibt bis heute jedes Projekt an, das wir übernehmen, ob ein eintägiges Shooting um die Ecke oder eine mehrwöchige Produktion auf einem anderen Kontinent. Wenn Sie etwas vorhaben, wie früh die Idee auch sein mag, schreiben Sie Andreana.
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