Zugang: Recherche, Verhandlungen und rechtliche Vorbereitung
Das Gelände in Mojave ist nicht öffentlich zugänglich, und eine Einladung erhält man dort nicht einfach so. Bevor auch nur ein Bild entstehen konnte, recherchierten wir monatelang: Wir suchten die richtigen Kontakte, klärten den rechtlichen Rahmen für kommerzielle Fotografie auf einem gesperrten Gelände und arbeiteten die Vereinbarungen durch, die der damalige Eigentümer, Mike Potter, verlangte.
Potter, der inzwischen verstorben ist, war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit. Er kannte jedes Flugzeug auf dem Gelände genau und hatte einige davon selbst an ihren letzten Standort geflogen. Als die Formalitäten geregelt waren, führte er uns persönlich über das Flugfeld, seinen Labrador an der Seite, und erzählte Geschichten, die kein Archiv erfassen könnte. Seine Gastfreundschaft war so unerwartet wie grosszügig. Zwar hatten wir zuvor schon in gesperrten Industrieumgebungen gearbeitet, doch selten begegneten wir einer solchen Offenheit.
Vor Ort: Hitze, Schlangen und ein Wüstensturm
Die Mojave-Wüste ist kein angenehmer Arbeitsplatz. Die Hitze war unerbittlich, und den Boden zwischen den Flugzeugen teilten wir uns mit Klapperschlangen. Das schärft die Aufmerksamkeit auf eine Weise, die sich im Studio kaum nachstellen lässt. Jeder Schritt über das Gelände erforderte ständige Vorsicht, nicht nur wegen des Untergrunds, sondern auch aufgrund der Grösse und Zerbrechlichkeit der Maschinen selbst.
Einmal zog fast ohne Vorwarnung ein Wüstensturm auf. Staub und Licht veränderten sich innerhalb von Minuten. Eine der Aufnahmen von diesem Tag trägt den Sturm sichtbar in sich: Die Atmosphäre ist eine andere, die Luft hat sich verändert. Das war nicht geplant, wir haben damit gearbeitet.
Was wir zeigten und was nicht
Die Vereinbarung mit dem Gelände enthielt bestimmte Einschränkungen bezüglich dessen, was fotografiert werden durfte. Einige Bereiche und erkennbare Details waren tabu. Dies haben wir ohne Vorbehalt respektiert: Ein solcher Zugang ist selten, und die Beziehung, die ihn ermöglicht, ist es wert, geschützt zu werden.
Es gab jedoch auch Entscheidungen, die allein bei uns lagen. Nicht alles, was visuell stark war, diente dem Projekt. Manche Bilder entstanden und wurden dann beiseitegelegt, nicht aufgrund vertraglicher Vorgaben, sondern weil sie die Arbeit in eine Richtung lenkten, die wir nicht einschlagen wollten. DECOMMISSIONED ist keine Dokumentation im journalistischen Sinne. Es ist ein konstruierter Blick auf einen bestimmten Zustand. Das erforderte bewusste Entscheidungen.
Die 24 Motive der fertigen Serie sind das, was nach dieser Auswahl übrig blieb: Bilder, in denen die Flugzeuge mehr sind als sie selbst und in denen das Industrielle und das Elegische nebeneinander bestehen, ohne sich gegenseitig aufzuheben.
Die Metapher der stillen Riesen
Wir fotografierten diese Flugzeuge als Metapher für die Abhängigkeit eines Systems von Öl und globaler Mobilität, als einen Weg, eine abstrakte Verwundbarkeit sichtbar zu machen. Der internationale Flugverkehr hatte in den Jahrzehnten vor diesem Projekt exponentiell zugenommen. Das Konzept des Peak Oil warf einen langen Schatten. Diese Maschinen, ohne Instrumente und Triebwerke und als Ersatzteillager umfunktioniert, machten diesen Schatten greifbar.
Sechzehn Jahre später liest sich das Projekt anders. Was 2010 spekulativ wirkte, erscheint heute als frühe Beobachtung von etwas, das inzwischen unübersehbar ist: Fragen nach Nachhaltigkeit, industriellen Zyklen und den Grenzen der Weltwirtschaft, die sich seitdem nur verschärft haben.
Was von Mojave bleibt, ist die Stille zwischen den Flugzeugen, die Grösse von Maschinen, die einst Kontinente überquerten und jetzt völlig stillstehen, und die Erkenntnis, dass jeder industrielle Zyklus einmal endet. Die einzige Frage ist damals wie heute, was wir in diesem Moment sehen wollen und ob wir überhaupt hinschauen.
Ausstellungen
DECOMMISSIONED war in internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zu sehen:
VFG BILDERSOIRÉE
Photobastei, Zürich, Schweiz
Gruppenausstellung, 21. März 2023
THE WORLD IS NOT ENOUGH
widmertheodoridis, Eschlikon, Schweiz
Gruppenausstellung, 13. Mai bis 1. Juli 2017
ICONIC GEOGRAPHY, WORKS 2005–2015
Anteprima D’Arte Contemporanea, Rom, Italien
Einzelausstellung, 25. Februar bis 5. Mai 2015
DECOMMISSIONED
Widmer+Theodoridis contemporary, Zürich, Schweiz
Einzelausstellung, 29. Oktober bis 24. Dezember 2010
Alle Motive sind in der Galerie zu sehen.
DECOMMISSIONED ist als gedrucktes Buch und als limitierte Fine-Art-Prints erhältlich, jeder Print in Archivqualität produziert und mit Echtheitszertifikat. Für Editionen, Formate und Preise schreiben Sie Andreana direkt.
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